Download

FELIX KLIESER
Biografie

Was bedeutet der Begriff „Ansatz“ bei einem Hornisten? Felix Klieser muss nicht lange überlegen: „Stellen Sie sich einen kleinen Jungen vor, der auf einem Bobby Car sitzt und das Motorengeräusch eines Autos nachahmt. Brrrrrrr. Das isses auch schon.“
Der 22-jährige Göttinger ist gewohnt, plastisch und einleuchtend zu erklären. Denn wenn Felix musiziert, kommen ohnehin Fragen auf. Wie kann jemand Horn spielen, der keine Arme hat? „Kein Problem“ sagt Felix und zeigt sein Stativ. Daran hängt - in Kopfhöhe fixiert - sein Horn. Dahinter sitzt er auf einem Stuhl. Geschickt bewegt Felix seinen linkes Bein in Kopfhöhe und lässt seinen Fuß das übernehmen, was andere Hornisten mit der linken Hand tun: Die Ventile bedienen. Statt einer rechten Hand im Schalltrichter hilft ihm ein Stopfdämpfer auf einem weiteren Stativ, den Klang im Instrument zu regulieren. Den kann er mit dem rechten Fuß in den Trichter rollen. Und auch wieder heraus.
Auch Felix ist beweglich. Mit dem Körper und mit dem Geist. Denn wer ohne Arme auf die Welt kommt, muss erfinderisch sein. Gemeinsam mit einem Instrumentenbauer hat er diese Spielvorrichtungen entwickelt.
Auf die Frage, was denn seine Eltern meinten, als er sich als Fünfjähriger ausgerechnet das Horn ausgesucht habe, kontert er: „Wenn ich gesagt hätte, ich will Handball spielen, wäre das vielleicht eine größere Herausforderung gewesen.“
Mit Worten kann Felix Klieser sehr gut umgehen. Doch noch mehr liebt er es, ohne sie auszukommen. Das sei ja gerade der Reiz am Musik machen. Emotionen zu übertragen, ohne dass man darüber spricht. Lyrisch, weich, kantabel soll sein Spiel klingen. Verschiedenste Farben möchte er hörbar machen, die seine musikalische Dramaturgie aufscheinen lassen. Das klingt nach musikalischer Erfahrung. Die hat Felix Klieser über mehrere Jahre im Bundesjugendorchester, aber vor allem im Unterricht bei seinem Lehrer Markus Maskuniitty an der Musikhochschule in Hannover und bei solistischen Meisterkursen sammeln können.
Ungewohnt sei die Aufnahmesituation für ihn gewesen, räumt Felix Klieser nach seiner ersten solistischen Studioproduktion ein. Im Regieraum war davon nichts zu spüren. Selbstbewusst und souverän absolvierte er das Pensum, spielte fünf, sechs Stunden auf seinem Horn und ließ sich vom Rotlicht im Studio nicht aus der Ruhe bringen. Dazwischen höchstens mal eine kurze Mittagspause in der Kantine. Dass Felix sein Besteck mit dem Fuß, statt mit der Hand hielt, nahm dort kaum jemand wahr. Genauso, wie alle im Regieraum in kürzester Zeit vergessen haben, dass bei Felix etwas anders sein könnte. Verständlich - schließlich hat er alles, was ein exzellenter Musiker braucht!