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AMIGA JAZZ
Biografie

Vor über 65 Jahren, im Januar 1947, entstanden erstmals Jazz-Aufnahmen für das erste Schallplattenlabel im Nachkriegsdeutschland. Das RBT-Orchester unter Leitung von Horst Kudritzki spielte den „Skyliner“ ein – für das seinerzeit dem Verlag „Lied der Zeit“ angegliederte Label AMIGA. Unter dem Dach des „VEB Deutsche Schallplatten“ war AMIGA auch das Label für Unterhaltungsmusik „Made in GDR“: Für Pop, Rock, Blues, Schlager, Volksmusik und Jazz. Trotz ideologischer und kulturpolitischer Querelen, denen sich etliche Künstlerinnen und Künstler immer wieder stellen mussten und zum Teil auch an ihnen zerbrachen, entwickelte sich in der DDR - quasi als von künstlerischer Freiheit geprägter Gegenentwurf zu den gesellschaftlichen Verhältnissen einer Diktatur - insbesondere seit den 1960er Jahren eine sehr vielseitige Jazzszene zwischen Tradition und Avantgarde. Neben Übernahmen historischer und aktueller internationaler Produktionen wurde ab ca. Mitte der 1970er Jahre auch der zeitgenössische „DDR-Jazz“ zu großen Teilen auf AMIGA-Schallplatten dokumentiert. Der umfangreiche Katalog umfasst Eigenproduktionen aus dem AMIGA-Studio ebenso wie zahlreiche Konzertmitschnitte oder Studioproduktionen, die der „Rundfunk der DDR“ - der seinerzeit aktivste Musik-Produzent des Landes - für die Veröffentlichung auf LP zur Verfügung stellte. In drei Staffeln werden nun zunächst 15 AMIGA-Jazz-Produktionen auf CD wiederveröffentlicht – technisch überarbeitet und in Teilen ergänzt um aktuelle Linernotes. Sie repräsentieren nicht nur aus historischer Perspektive wichtige Aufnahmen aus dem AMIGA-Katalog. Diese, seinerzeit zumeist mit einem „J“ gekennzeichneten Produktionen dokumentieren - wenn auch nur streiflichtartig - die Vielfalt, handwerkliche Professionalität sowie künstlerische Reife und Eigenständigkeit der DDR-Jazzszene. Die meisten Musiker sind noch immer aktiv, viele international erfolgreich. Einige haben sich inzwischen (leider!) von der Jazzszene verabschiedet. In jedem Falle bietet diese CD-Reihe die Chance der Entdeckung oder Wiederbegegnung mit Marksteinen des DDR-Jazz von zeitloser Bedeutsamkeit.              Ulf Drechsel