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ISANG ENDERS
Biografie

Dieser Musiker hat einen Nimbus: Als jüngster Solocellist Deutschlands kam er 2008 mit nur zwanzig Jahren als 1. Konzertmeister der Violoncelli an die 1548 gegründete Sächsische Staatskapelle Dresden. Zuvor war diese Stelle seit mehr als einem Jahrzehnt unbesetzt. Enders trat die Nachfolge namhafter Kollegen an. So etwas gelingt nur einem Ausnahmetalent. Doch was verbirgt sich hinter diesem Nimbus, der Isang Enders auf alle Zeiten anhaften wird, was steckt hinter dieser Musikerpersönlichkeit? Ist es die Herkunft aus einer deutsch-koreanischen Musikerfamilie – die Mutter als Komponistin den fernöstlichen Einflüssen verhaftet, der Vater als Organist und Pianist in der zentraleuropäischen Kirchen- und Musiktheaterlandschaft zu Hause – mit ihren reichhaltigen Einflüssen? Ist es der frühe Erfolg, dem harte Arbeit voranging? Oder sind es Prisen von allem, gespeist durch eine ausgeprägte Ernsthaftigkeit, mit der sich dieser Musiker nicht seinem Nimbus, sondern ausschließlich den Inhalten seines Tuns widmet?

Isang Enders könnte als Botschafter gelten. Als Botschafter der schönen Stimmkunst und als einer, der seine Stimme auch jenseits der Künste erhebt. Obendrein gilt er als Sänger auf seinem viersaitig-vielseitigen Instrument, wobei die Botschaft hier ganz klar die Musik ist. Denn was er mit seinem Instrument unternimmt, ist hohe Sangeskunst. Da spricht einer mit ganz eigenem Ton.

Weder als Orchestermusiker noch als Kammermusikpartner oder gar als Solist würde er sich mit Stolz auf das in so kurzer Zeit mit viel Fleiß und Talent Erreichte zurücklehnen. Isang Enders – und wohl auch das macht seinen Nimbus aus – begnügt sich nicht mit sicheren Ufern. Er tastet gern neues, unbekanntes Terrain aus. Spieltechnisch sowieso. Sonst hätte der aufstrebende Virtuose wohl kaum bei so namhaften wie unterschiedlichen Cellisten studiert. Michael Sanderling und Gustav Rivinius waren prägende Lehrmeister für ihn; besonders nah steht ihm der aus New York stammende Cellist Lynn Harrell. Meisterkurse und Akademien haben die gründliche Ausbildung abgerundet, an der selbst ein Komponist wie Krzysztof Penderecki Anteil hat.

Ebenso sehr prägten ihn natürlich all jene Tonsetzer, denen er das klangvolle Repertoire für sein Instrument verdankt. Allen voran Johann Sebastian Bach, dem Anfang und Ende aller Musik, mit den ebenso schönen wie schwierigen Suiten für Cello solo. Es fällt jedoch auf, dass bei Isang Enders Komponisten jüngerer Vergangenheit eine besondere Rolle spielen. Er wendet sich mit Vorliebe dem Schaffen von Hindemith, Lutos?awski, Messiaen und Schostakowitsch zu, widmet sich aber auch den brillanten Solokonzerten, die etwa Dvo?ák und Schumann für Violoncello komponiert haben. Die hat er mit namhaften Klangkörpern und Dirigenten aufgeführt, auch für die Kammermusik fand er kongeniale Partner wie Christoph Eschenbach, Tzimon Barto, Myung-Whun Chung und Igor Levit.

Dass Isang Enders nun „Myrten und Rosen“ auf einer CD zusammenbringt, also die Hochzeit der deutschen Romantik mit der asiatisch angehauchten Avantgarde von Donaueschingen und Darmstadt in eine spannungsreiche Mixtur setzt, überrascht – wenn überhaupt – nur auf den ersten Blick. Der Sänger auf dem Cello erweist sich hier nämlich als Kenner. Er interpretiert sowohl von Robert Schumann als auch von Isang Yun das komplette Werk für Violoncello und Klavier als sehr persönliches Album, um es auf einer Scheibe nicht nur zu vereinen, sondern in klangvollen Kontext zu setzen. Als hielten die beiden Komponisten sanglich Zwiesprache miteinander, verschränkt Isang Enders auf diesem Album Originalwerke und Bearbeitungen aus immerhin gut 150 Jahren. Die Kantabilität aus Schumanns frühem Liederkreis op. 24 erstreckt sich bis zur Räumlichkeit von Yuns Espace I. Isang Enders als liebender Sänger. Ein neuer Nimbus des jungen Cellisten?