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SKUNK ANANSIE
Biografie

»Ich glaube es ist gut, ein bisschen Nervosität zu empfinden, wenn es um die Qualität der Musik geht, die man schreibt. Das macht einem bewusst, dass man immer nur so gut ist wie die letzte Platte«, ereifert sich Skin, Frontfrau der Kultband Skunk Anansie. »Wir haben eine Unsicherheit in uns, die alles betrifft, was wir machen. Man fragt sich dauernd, ob es besser sein könnte. Andere Bands veröffentlichen ständig durchschnittliche Platten, aber wir fühlen, dass wir nicht überleben würden, wenn wir etwas ohne großartige Songs rausbringen würden.«
Skins kämpferische Rede zeugt von dem offensichtlichen Feuer mit dem Skunk Anansie brennen – und auch ihr jüngstes Werk ist weit davon entfernt, durchschnittlich zu sein.

„Black Traffic“
ist das 6. Studio-Album der Band – benannt nach den dunklen Kanälen, die die Welt umspannen – und die 3. Platte, nachdem sie 2009, nach einer 9 Jahre langen Auszeit, wieder zusammengekommen waren. Es ist das Produkt eines langen und experimentellen Prozesses, in dessen Verlauf das Quartett sein selbst festgelegtes Regelbuch zerriss und von vorne begann. Es wurde in monatelangen Sessions in London und L.A. innerhalb von 1 1/2 Jahren geschrieben. »Es war nett nach L.A. zu fahren«, stellt Skin fest, bevor sie im Scherz hinzufügt: »Wir hatten ein paar Jahre lang ein tolles Studio. Es war inspirierend aber irgendwie auch schimmlig, mit schwarzen Pilzen und Müll. Wir haben es geliebt, kamen aber an einen Punkt, an dem wir uns sagten: ‚Wir sind keine Studentenband. Wir wollen Klimaanlage, Heizung und Klopapier!’«.
Aufgenommen wurde mit dem langjährigen Freund der Band, dem großartigen Chris Sheldon (Foo Fighters, Biffy Clyro) – es ist ein Album, das durchaus im aggressiven, unverblümten Output des Kanons von Skunk Anansie bestehen kann, aber ihre technischen Möglichkeiten dramatisch erhöht.

»Wir haben dieses Album auf eine ganz andere Weise aufgenommen, als wir das früher gemacht haben«, erklärt die Sängerin. »Wir entwarfen eine Vorlage, nahmen ein paar Basic-Tracks auf und dekonstruierten das ganze Ding dann wieder. Live aufzunehmen schränkt ein, wenn man experimentieren will, weil man zu viel anderen Kram im Sound hat. Das macht es schwierig, damit zu spielen und das Zeug hin und her zu schieben. Deswegen nahmen wir so ziemlich alles einzeln auf, um die Sachen zu sampeln und dann auf den Kopf zu stellen. Das Hauptanliegen war, dass die Musik lebendig bleibt und keine einzige Gefühlsregung oder Empfindung verloren geht – und trotzdem mit unseren Ideen total durchzudrehen. Wenn man Dinge sampelt, klingt das oft ziemlich kalt, aber wir wollten etwas Frisches, Fettes und Warmes; etwas, das voller Leben ist und dennoch individuell.«
Auch in Sachen Text ist die Band auf „Black Traffic“ gewohnt streitlustig, allerdings mit einem neuen Sinn für Finesse, wie auch Skin selbst feststellt: »Unsere Energie hat sich nicht geändert, aber wir drücken die Dinge jetzt prägnanter aus und wir wissen jetzt, wie wir härter zuschlagen können, wenn wir wollen. Wir haben unser Kraftfeld verbessert, unser Schwert zielt jetzt direkt aufs Herz.«

Das Kraftfeld, das sie optimiert haben, ist eines, das die gegenwärtige politische Landschaft intensiv einbezieht und sich mit ihrem eigenen sozialen Umfeld verbindet. Viele wiederbelebte Bands existieren in einem regressiven, nostalgischen Zustand. Skunk Anansie dagegen sind im Hier und Jetzt präsent, ohne den Kontakt zu sich selbst zu verlieren.
I Believed In You“ hält die Enttäuschung fest, die viele in Bezug auf die von ihnen gewählten Politiker empfinden. »Ich denke viel darüber nach wie sich die Menschen von ihren Anführern im Stich gelassen fühlen. Jeder will das wir wählen, aber wen? Sie bauen alle Mist, weil es ihnen irgendwann mehr darum geht, ihre Machtposition zu behalten, als darum, die Stellung ihres Landes aufzuwerten«. „This Is Not A Game“ ist ein knallharter Kommentar darüber, wie wir alle von den Konsequenzen der aktuellen Finanzkrise betroffen sind. Skin, Cass, Mark und Ace haben eine Platte geschrieben, die ihren sozialen Realitäten frontal gegenübertritt und mit erhobenen Fäusten wieder herauskommt. „Don't try to mess with me I'll train you like a hound“ („Versuch nicht, mich zu verarschen, ich richte dich ab, wie einen Hund“) ist die knapp geschriene Ansage von „I Will Break You“, dem Song, der das Album mit einem omnipotenten Brüllen eröffnet – mit einem mutigen Manifest der Ermächtigung und unmittelbarer Lust. „Sad Sad Sad“ setzt den instinktiven Angriff fort und kommt mit einer pulsierenden Basslinie in Fahrt, die an die Queens Of The Stone Age erinnert, bevor der Song in einen treibenden Refrain explodiert, der aggressive Energie speit und sich dennoch eine eingängige Melodie-geladene Empfindsamkeit bewahrt. „Our Summer Kills The Sun“ zeigt die weichere Seite der Band mit Skins unnachahmlichem Heulen, das von einer zerbrechlichen Stärke beherrscht wird und von unserer empfindlichen Erde handelt. „I Hope You Get To Meet Your Hero“ indes erzählt von der Enttäuschung, wenn wir von unseren verzerrt erhöhten Ansprüchen und Egos im Stich gelassen werden, während der letzte Schachzug „Diving Down“ das Album auf mitreißende, atmosphärische Weise abrundet. Zusammengefasst bekommt man also eine breit gefächerte Platte, die knallhart zuschlägt – aber, ganz entscheidend, auch eine, die weiß, wann man einen Schritt zurücktritt und durchatmet.

Wenn es allerdings um Liveshows geht, gehört ‚durchatmen’ natürlich nicht in Skunk Anansies Sprachgebrauch. Sie sind berühmt für ihre intensiven Auftritte und hochtourige Performances –kürzlich war in einer Besprechung im The Independent zu lesen: „Skins charakteristische Stimme changiert zwischen schönen, zärtlichen Melodien und durchdringendem Beinahe-Schreien  ... Die Songs werden durch die Leidenschaft jeder einzelnen Darbietung sogar noch mächtiger“ – und „Black Traffic“ wird dem Live-Feuer des Quartetts sicher nur noch mehr Treibstoff geben. Ganz praktisch, angesichts der Tatsache, dass sie zu einer 20 Termine umfassenden Europatour aufbrechen werden, die am 1. Dezember ihren Höhepunkt in einer Show an der heimatlichen Brixton Academy in London finden wird.
Außerdem markiert „Black Traffic“ die Einführung von Boogooyamma, dem neu gegründeten Label der Band. Quasi als Antrittsveröffentlichung veröffentlicht das Label „Black Traffic“ und realisiert damit einen lang gehegten Traum der Band, die kreative Kontrolle zu maximieren und „endlich dem Zugriff anderer zu entkommen“. Das veranschaulicht Skunk Anansies progressiven Ansatz: Wirf ihnen den Goldesel einer Wiedervereinigung hin und sie werden ihrer Verachtung Ausdruck verleihen und wieder ins Studio gehen. Jammert ruhig über den Verfall der Musik-industrie (lasst uns nicht vergessen, dass die CD-Verkäufe noch in ertragreichen Höhen waren, als die Band anfing) – die Band wird einen Weg finden, damit umzugehen.

»Wenn man immer ein Außenseiter war, dann sind kleine Veränderungen etwas, mit dem man locker fertig wird. Aus unseren härtesten Kämpfen wird eine Menge Größe geboren. Als wir anfingen, wollten wir immer zu den coolen Leuten gehören – und dann merkten wir, dass die coolen Leute in Wahrheit überhaupt nicht cool sind«, lächelt Skin. »Was uns betrifft, fanden wir es immer am besten unsere eigene Szene zu sein. Wir mögen es, nicht reinzupassen, darin blühen wir auf. Wenn man nicht Teil einer Clique ist, versteht man am Ende mehr von seiner eigenen Seele. Wir sind uns immer treu geblieben und wir sind, was wir sind. Wir sind einfach Skunk Anansie.« Und das genügt vollkommen.