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TARJA TURUNEN & HARUS
Biografie

TARJA TURUNEN & HARUS

Die Halle verdunkelt sich. Augenblickliche Stille - und dann, von oben, kommt die donnernde, gebieterische Stimme der Orgel. Dahinter sitzt Kalevi Kiviniemi, der Mann, dessen Hände einige der weltweit seltensten, ältesten und prachtvollsten dieser Instrumente beehrt haben und dessen Karriere gespickt ist mit einer enormen Anzahl an Aufnahmen und Auszeichnungen, die ihn zu Finnlands bedeutendstem Organisten gemacht haben. Unten, auf der linken Seite der Bühne, ist Markku Krohn hinter einer ganzen Reihe von Glockenspielen und Pauken beinahe versteckt. Der seit über zwanzig Jahren zum Lahti Symphony Orchestra gehörende Perkussionist bedient seine Instrumente mit flinken Berührungen, die ein strahlendes, angenehmes Klingen erzeugen; Noten, die wie Schneeflocken herabfallen und die winterliche Szene bestäuben. Von der anderen Seite der Bühne folgen kühne, bebende Töne einer Gitarre. Marzi Nyman kommt aus dem Jazz und spielt, neben unzähligen Seitenprojekten und Bands, beim UMO Jazz Orchestra. Sein Stil ist von sanftem, beschwörendem Charisma statt bellender Riffs; die Gitarre singt in seinen Händen und das Publikum ist ihm bereits hörig, als die eigentliche Sängerin ihre Lippen öffnet. Tarja Turunen steht zurückhaltend und gelassen in der Mitte der Bühne - Welten entfernt vom Rockstar-Image, für das sie berühmt wurde. Die Wärme ihrer Stimme dringt bis in jede Ecke des Saals.

Wenn man dies ein Debüt nennen kann, dann wurde es fünf Jahre lang vorbereitet.

Alles war da, schon von Anfang an: vier Musiker, jeder ein Experte auf seinem Gebiet und voller Leidenschaft für seine Kunst; ein einzigartiger Stil; hingerissene Fans. Außer einem Namen haben Tarja Turunen & Harus bereits seit 2006 alle Attribute einer Band. Allerdings haben die Mitglieder nicht nur die klassischen Wurzeln gemeinsam, sondern auch die hektischen Terminpläne. Es hat lange gedauert, aber der Kokon öffnet sich.

Im Sommer 2006 standen sie beim Lahti Organ Festival das erste Mal zusammen auf einer Bühne. Miteinander zu arbeiten war eine Gelegenheit, auf die sie alle ansprangen. Obwohl ihnen allen ihr Ruf vorauseilte, entspannten sich die Nerven schon beim ersten Treffen. Die Seelenverwandtschaft war auf musikalischer und persönlicher Ebene direkt und deutlich spürbar und übertrug sich in ein bahnbrechendes Konzert - und noch erhebender: in eines, das Regeln brach. Die passenderweise ‚Crossover Organ’ genannte Performance, changierte zwischen traditionell und zeitgenössisch und präsentierte ein mutiges und weitreichendes Repertoire. Die ehrwürdige Pracht liturgischer Hymnen neben Künstlern wie Deep Purple und Nirvana. Auf dem Papier wirkten die sonderbare Aneinanderreihung und das Überlappen der Stile unbequem, unfassbar - als ob sie eher ein Schleudertrauma als alles andere bei den ahnungslosen Zuhörern auslösen könnten. Und doch ... klassische Musik - Wurzel und Fundament von allem, das nach ihr kam - fließt wie ein Fluss durch den Klang-Urwald, in dem wir heute wohnen, lebenserhaltend für alle Verzweigungen, der Puls, der jede Harmonie, die wir kennen, vereinigt. An diesem Abend verschwammen Genre-Barrieren und gingen verloren, aber statt ihrer wurde etwas anderes definiert: ein reichhaltiger, vielschichtiger und eindrucksvoller Sound - der Sound, der die Band zum Leben erwecken sollte.

Kein Werk, das in seiner Natur experimentell und unvorhersehbar ist, kann eine planbare Resonanz erwarten, deswegen war es sogar noch ergreifender, als das Konzert eine reißende Welle des Applauses erntete und bewiesen war, dass es sich um einen unerwarteten, aber umso befreienderen Erfolg handelte. Mit der gemeinsamen Vision und der Bestätigung von Hunderten von Ohren tat die Band sich nicht schwer zu beschließen: „Hey, das machen wir noch mal!“

Die Zusammenarbeit kam ganz einfach zustande, überbordend mit Talent, Hingabe und Kameradschaft. 2008 trafen sie sich, um eine Reihe von Weihnachtskonzerten in Finnland zu geben, eine Tradition, die Tarja schon seit ein paar Jahren pflegte und die sie bis heute gemeinsam fortführen. Jedes Jahr durchkämmte das Quartett die Weiten des Landes auf Tourneen, die immer länger wurden. Trotz kalten Wetters dampften die Kirchen vom Gedränge der Körper - und wenn sie voll waren, sammelten sich die Menschen draußen in der klirrenden Dezemberkälte.

 

Es war ein Projekt, das niemand je zu fördern brauchte; es schien sich selbst zu füttern, sich selbst zu stärken, seine Flügel auszubreiten bis hin zu den Grenzen Finnlands - und darüber hinaus. Wenn die Hymnen aus den Kirchen schallten und die Winterluft sich mit festlichen Liedern erwärmte, wurde ein Akkord in unzähligen Herzen zum Klingen gebracht - sogar in denjenigen im Ausland. In immer größeren Scharen tauchten Reisende von der anderen Seite des Ozeans auf, nur um für eine Nacht auf einer Kirchenbank unter einer Kuppel zu sitzen: nur um zuzuhören. Als sie das Interesse und die Zuneigung sah, die sie sogar außerhalb des Landes in dem sie auftraten, erzeugten, keimte in Tarja eine klare Erkenntnis: Hier, auf dem Gipfel ihres gemeinsamen Adlerhorsts balancierend, war eine ausgewachsene Band im Begriff loszufliegen.

Dieses Wissen wurde von einer reißenden Welle der Begeisterung begleitet. „Ich wollte es aus dem Schatten holen. Ich wollte es allen näher bringen.“

Mit genau diesem Vorsatz brachte sie die Idee auf, das Konzert aufzunehmen, das sie 2009 in Lahtis Sibelius Concert Hall gaben. Ein wunderschönes Gebäude, das größte Finnlands, das in diesem Jahrhundert ausschließlich aus Holz gebaut wurde - eine Eigenschaft, der es seine außergewöhnlich beeindruckende Akustik verdankt. In der Stadt gelegen, in der sie das erste Mal zusammen aufgetreten waren und mit einer Kapazität von knapp über tausend Menschen, ist das Sibeliustalo der perfekte Veranstaltungsort für ein intimes Konzert; ein Abbild der Harmonie und der Verbundenheit, die in den fünf Jahren, in denen sie fast eine Band waren, entstanden ist. Sie verschmelzen, wie immer, traditionelle und moderne Stücke mit den Arrangements und Kompositionen der Bandmitglieder; dies ist keine Einführung, sondern ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, ein Fest zu Ehren der Magie, die diese Vier von Beginn an heraufbeschwören.

Am Ursprung des Ganzen steht eine einfache Gleichung, eine Verbindung von vier gleichen Teilen, die frei gestaltete Innovation atmet, eigentlich kaum überraschend, wenn man die musikalischen Legierungen betrachtet, aus denen die Bandmitglieder bestehen; ihr buntes Repertoire aus exotischen, lebendigen Geschmacksrichtungen von Jazz bis Heavy Metal. Es ist ein harmonischer Mix, wenn auch ein anspruchsvoller. Jedes Instrument hat eine starke Präsenz. Der imposante, majestätische Klang der Orgel ist ein dramatischer Kontrast zur sensiblen, modernen Atmosphäre der elektrischen Gitarre, das sanfte Wispern der Glockenspiele bildet eine außergewöhnliche Ergänzung der dichten Textur des Gesangs. Sie haben einen Fluss gemeinsam, der sie zu einer einzigen Stimme vereint - und er wird sogar noch übertroffen von der bloßen Überraschung, sie zusammen zu hören. Der schockierte Gesichtsausdruck von jemandem, der etwas Traditionelleres erwartet hatte, ist jedoch eine der besten Arten von Resonanz - zumindest wenn es nach Kalevi geht, der verschmitzt grinsend meint: „Dann weiß man, dass man gute Musik macht.“

Wenn man sie auf der Bühne beobachtet, sieht man, dass hier ihre wahre Stärke liegt: das Durchbrechen von Grenzen; in Freiheit. Hier gibt es keine Unterdrückung der Individualität. Jeder Musiker hat seinen eigenen charakteristischen Stil. Wenn jeder Einzelne brilliert, glänzt das ganze Ensemble. Sie mögen klassisch sein, aber sie sind alles andere als traditionell.

Sich einen Namen zu überlegen, der das alles zusammenfasst, war keine leichte Aufgabe. Zur Taufe wurden viele weniger diffuse Vorschläge in die Luft geworfen. ‚Harus’ war eine Idee, die schon früh während des Brainstormings auftauchte, aber zu Verwirrung führte als sich zeigte, dass das Wort sogar für einheimische Ohren mehrdeutig war. Aber es war der einzige Name, auf den alle zurückkamen. Es ist die Spannleine, die den Schiffsmast sichert, das Seil, das Objekte stützt, die angehoben oder hochgezogen werden, es sind die vier Verbindungsstangen, die den Rahmen eines Zeltes bilden. ‚Harus’ bedeutet Unterstützung, bedeutet Balance, bedeutet Stärke. In der Essenz sind die individuellen Künstler die vier Säulen, die ihre Musik tragen.

„Wir kommen alle von unterschiedlichen Backgrounds. Wir haben alle etwas anderes zu geben“, erklärt Tarja. „Das ist es, was uns wirklich zusammenbringt.“ Und zusammen, wie die sanfte Vereinigung von Nebenflüssen, haben diese Vier den unendlichen Ozean erreicht.

 „Die Kombination ist selten und steckt voller Herausforderungen“, reflektiert Markku still, optimistisch lächelnd. „Mal sehen, was in der Zukunft passiert.“

Es ist eine Reise, die verspricht abenteuerlich zu werden - aber eine, deren Navigation wir den Kartografen selbst überlassen. Die Gewässer sind noch nicht erforscht, aber der Mast ist stark. Der Horizont ist grenzenlos.