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TEITUR
Biografie

Wer auf den Färöer Inseln, gelegen zwischen Schottland und Island, aufwächst, der kennt das Meer und den Horizont und die Sterne und den Wind. Auf der nordatlantischen Inselgruppe leben knapp 46.000 Menschen, es gibt nur einen Radiosender, und 2003 entging die deutsche Fußballnationalmannschaft dort nur knapp einer Blamage.

Teitur Lassen wurde 1977 auf den Färöer Inseln geboren. Wer auf den Färöer Inseln den Beruf des Musikers ergreift, ist bald inselweit bekannt. Wohl dem, der aufbricht, die Welt kennenzulernen. Als junger Mann zog er 1994 mit seinen Eltern nach Holstebro auf dem dänischen Festland. 2002 verließ er Europa für zwei Jahre in Richtung New York, wo er zwar nie ein eigenes Appartement beziehen sollte, aber dennoch immer irgendwo unterkam. „Die Stadt war wie ein Kulturschock für mich“, erinnert Teitur folgerichtig seinen Aufschlag in Manhattan: „Alles war Zivilisation, von Menschenhand gemacht, gigantisch, ein Ort der Möglichkeiten.“

Beeinflusst vom Geschmack eines Färinger Radio-DJs – Teitur wuchs ohne Fernseher auf –, begann sich der Sänger, Pianist und Gitarrist für so unterschiedliche Musiker wie Steve Reich, Kim Gordon, Miles Davis, John Coltrane, Bob Dylan und Leonard Cohen zu interessieren. Vor allem den Einfluss Cohens kann man in Teiturs neuem, seinem vierten Album »Stay Under The Stars«  heraushören – zwei Anfang des Jahrtausends aufgenommene Alben erschienen noch auf färöisch, der Sprache der Färöer Inseln. Im Jahre 2003 veröffentlichte Universal USA dann sein erstes englischsprachiges Album »Poetry & Airplanes«, das von Rupert Hine produziert wurde und Teitur weltweite Anerkennung bescherte. Nie zuvor hat ein Musiker von den Färöer Inseln international eine derartige Beachtung erfahren.

»Stay Under The Stars“ ist ein Album, das aus 13 wundervollen Folk-Songs besteht. Eigentlich, so Teitur, hätte es »All The Lonely People«  heißen sollen, in Anlehnung an den gleichnamigen Song von Eleanor Rigby, weil alle Songs aus der Perspektive unterschiedlicher, auf sich gestellter Menschen geschrieben sind. Doch dann erinnerte sich der heute 29-jährige an die eigene Erfahrung von Ewigkeit angesichts einer unbeugsamen Natur. Der Titel von Teiturs viertem Album verweist darauf, dass man als Mensch alleine unter den Sternen steht. „Wir alle“, so Teitur, „stehen in der Verantwortung, aus unserem Leben etwas zu machen. Die Sternschnuppe erinnert die Menschen seit Tausenden von Jahren daran.“

In Michael Manns Film »Heat« erklärt Robert De Niro an einer Stelle: „Ich bin nicht einsam. Ich bin allein.“ Teitur: „Der erste Song, den ich für das Album geschrieben habe, war »Waiting For Mars To Come Out« und ist die Betrachtung eines Mannes, der in einer Sternwarte arbeitet. Er tut, was er gut kann, und er ist geduldig. Er ist nicht einsam, er ist allein. »Thief About To Break in« ist ein Song über einen Einbrecher, der wie eine Katze auf sich alleine gestellt ist, dessen Auf-sich-gestellt-sein und Unentdecktheit gewissermaßen die Bedingung für seinen Erfolg darstellen. Alle Songs auf »Stay Under The Stars« handeln auf die eine oder andere Art von Menschen, die in ihrer Situation aufgehen, die Kraft aus ihrem Alleinsein beziehen.“

Trotzdem ist »Stay Under The Stars« kein Konzeptalbum. Teitur selbst nennt es ein „Kontextalbum“. Selbst eine Cover-Version wie »Great Balls Of Fire« von Jerry Lee Lewis – im Original eine fröhlich-aggressive Rockabilly-Uptempo-Nummer – fügt sich in den von Teitur mit großer Geste gefassten Rahmen nahtlos ein. Teitur: „Hört man genau hin, ist Lewis’ Song ein Paradoxum, geradezu ein paranoides Lied. Für mich ist es unerklärlich, wie er die Nummer in Dur aufnehmen konnte!“ In Teiturs Version wird aus dem lauten, hedonistischen Song eine bis zur Unkenntlichkeit abgebremste Ballade in Moll, in der die Worte ein Gewicht erhalten, wie wir es sonst nur bei Leonard Cohen kennen.

„Ich war schon immer von Persönlichkeiten wie Cohen oder Miles Davis fasziniert, die nach ihren eigenen Regeln leben, die sich nicht sklavisch für einen Stil oder einen Lebensweg entschieden haben, die provozieren und nicht zurückschrecken“, sagt Teitur, der seit seiner Rückkehr aus New York im Londoner Stadtteil West Hampsted lebt. Nicht nach den Regeln der anderen zu leben bedeutete für Teitur, bereits früh weit zu reisen, die Welt als Sänger zu erkunden. In Skandinavien gehört er dank seiner Reiselust gar längst zu den etablierten Songwritern, sein bereits erwähntes Album »Poetry & Aeroplanes« reflektiert das Klischee, dass Sänger auf Reisen besonders kreativ wären. Tatsächlich ist Teitur längst nur noch selten zu Hause in London oder auf den Färöer Inseln.

„Ich sehe mich ganz klar in der Tradition der Färinger Sänger“, sagt Teitur: „Was soll man auf den Inseln auch anderes machen als sich zum Trinken zu treffen? Und wenn man sich dann erst einmal versammelt hat, während draußen ein neuer Sturm über dem Atlantik heraufzieht, vergeht meistens nicht viel Zeit, bis einer in der Gruppe zur Gitarre zu singen anfängt.“ Anders als Island blicken die Färöer Inseln nämlich auf eine lange Liedtradition zurück. Um eine Sprachidentität gegenüber der Amtssprache, dem Dänischen, zu behaupten, singt man auf färöisch. So kam es, dass Teitur in seiner Jugend keine Bands erlebt hat, da diese die Färöer Inseln stets nördlich liegen gelassen haben. Seine Sozialisation war die private Musik, die aus einem unerschöpflichen Fundus an alten Folksongs schöpfte.

Genau dieser Einfluss ist auf »Stay Under The Stars« lupenrein zu hören. Weniger in den Melodien als vielmehr in dem Umstand, dass Teitur einen Song erst dann als einen Gefährten zu akzeptieren bereit ist, wenn er – wie die zeitlosen Folksongs seiner Heimat – in jedem Kontext, jeder Instrumentierung und Besetzung spielbar ist. Aus genau diesem Grunde verwundert es dann auch nicht, wenn Teitur von Tournee zu Tournee mit Bands in unterschiedlichen Besetzungen spielt: Oft tritt Teitur als Sänger und Gitarrist zusammen mit einem Streichquartett auf. Andere Reisen bestritt er in der Besetzung Teitur, Bass, Violine, Schlagzeug. „Da meine Songs eine Identität haben, kann ich sie alleine spielen oder mit Begleitmusikern. Wenn ich reise, dann eigentlich immer mit dem gleichen Bassspieler, den ich noch von den Färöern kenne. Alle anderen Musiker stoßen auf dem Weg hinzu und verlassen mich wieder.“

So kann heute mit Fug und Recht behauptet werden, dass »Stay Under The Stars« Teiturs bisher bestes Album ist. Die 13 auf ihm enthaltenen Songs sind von einer ätherischen Schönheit durchdrungen, wie man sie selten – und noch nie von den Färöer Inseln stammend – zu hören bekommt. Nach vier Jahren, in denen der Sänger vornehmlich in Skandinavien, London und New York aufgetreten ist, schickt sich Teitur nun an, auch Deutschland und den Rest Europas zu erobern.