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STATUS QUO
Biografie

Die absurd hohen Cappuccino-Preise an Venedigs Markusplatz, der Geruch nach Fisch und Knoblauch am Hafen von Marseille, das Hupkonzert von New Yorks allabendlichem Dauerstau um elf Uhr im Theaterviertel, die Alben von Status Quo: Manche Dinge auf dieser Welt haben offenbar ewig Bestand und verlieren deshalb trotzdem ihre Fans nicht einfach so. Zumindest im Falle Status Quos dürfte es dabei vorerst bleiben. Mit ihrem neuen Album “In Search Of The Fourth Chord” haben Francis Rossi und Rick Parfitt, einzig verbliebene Gründungsmitglieder, ein weiteres Monument für den von allen Moden offenbar unbeirrbaren Rock'n'Boogie aufgestellt. Acht Takte vom Opener “Beginning Of The End” genügen, um sich zurecht zu finden und wohl zu fühlen. Und dabei wird es dreizehn Tracks lang bleiben. So wie damals Mitte der Siebziger im Jugendzentrum, wenn “Roll Over Lay Down” lief und man wusste, bei den Cool Kids gelandet zu sein. Bei denen mit Mofa statt Fahrrad, mit langen Haaren statt Topfschnitt, mit Platten eben von Status Quo und nicht von den Bay City Rollers. Zwischendurch haben wir die Band immer wieder für kurze Zeit aus den Augen verloren und waren immer wieder froh, sie wieder zu entdecken. Mit guten Freunden findet man ja auch mühelos ins Gespräch zurück, selbst wenn man sie zwei Jahre nicht gesehen hat. So ist das auch mit Rossi & Parfitt, diesem beinahe unglaublichen Doppel im Rockzirkus. 1965 trafen sich die beiden Teenager zum ersten Mal in London, da hieß Rossis Band noch “The Spectres” und war so ambitioniert wie erfolglos. Zwei Jahre und ebenso viele Umbenennungen später stieß Parfitt als zweiter Gitarrist neben Rossi zu Status Quo, danach gelang der Hit “Pictures Of Matchstick Man”, ihr einziger übrigens in Amerika. Der Rest ist turbulente Geschichte, Aber nach etlichen Umbesetzungen und Beinahe-Auflösungen fährt die Gruppe seit zwanzig Jahren in relativ ruhigen Gewässern. Rossi und Parfitt sind darüber zu einem Duo irgendwo zwischen Stadler & Waldorff von den Muppets und einem alten Ehepaar geworden. Bei Interviews sitzt Rossi in grauen Nadelstreifen auf der Couch und nippt mit abgespreiztem Finger am Tee, während Parfitt sich lauthals beschwert, sein blitzblauer Samtanzug aus den Anfangsjahren sei “jetzt aber endgültig zu weit” geworden. Manchmal teilen sie sich lange Sätze und antworten mit verteilten Rollen, ohne sich dabei einmal zu vertun. Zwischendurch reicht einer dem anderen die lange bekannten Lieblingskekse aus der Silberschale. “Wir gehören einfach zusammen”, sagt Parfitt dann, “unseren Sound kriegen wir nur zu zweit hin”, übernimmt Rossi und nickt wieder Parfitt zu, der fortfährt, “wir sind nie dahinter gekommen, weshalb wir nur wie Status Quo klingen, wenn wir beide dabei sind. Aber wir haben gelernt, das zu akzeptieren und ein bisschen sogar zu lieben.” Rossi nickt nur stumm, der Satz ist ja auch zu Ende. Der beschworene Sound leitet natürlich auch die dreizehn neuen Songs von “In Search Of The Fourth Chord” durch Rock- und Boogielandschaften, manchmal mit ein bisschen Blues, dann und wann mit kurzen Abstechern in den Pop garniert. Kein einziger Song, der sich nicht dem Markenzeichen von Status Quo, dem schön geradeaus rollenden Rhythmus beugen würde. Was Rossi & Parfitt hier demonstrieren, ist die pure Lust am Griff in die Retro-Schatulle, ohne deshalb gleich im Gestern zu verharren. “In Search Of The Fourth Chord” ist ein gelungener, dem Blues'n'Boogie verpflichteter Versuch, es im Jahre 2007 nicht mit Rückblicken zu tun zu haben, zu versuchen. Weit entscheidender aber als gelegentliche Frischzellen-Kuren ist die unbeugsame Gabe der beiden Musiker, sich nicht bierernst zu nehmen und über sich lachen zu können. “Ohne unseren Humor”, gesteht Rick Parfitt, “gäbe es Status Quo längst nicht mehr.” Man zolle dem Alter halt seinen Tribut, “aber das macht mich nicht mutlos. Eher ein bisschen ehrgeiziger, als ich's früher war.” Wofür das Album “In Search Of The Fourth Chord” der kongeniale Beweis ist. Parfitt hat derweil mit geübten Fingern seine Lockenpracht in Form gebracht und bestätigt den Kollegen. “Für irgendwas müssen doch die ganzen Exzesse unserer frühen Jahre gut gewesen sein, wenn wir jetzt nicht langsam ernten könnten, wäre alles umsonst gewesen.” Sie ernten ja, ehrlich gesagt, schon etwas länger. Bis zu 100 Millionen verkaufter Tonträger trauen ihnen die Enzyklopädien zu, noch heute sind Status-Quo-Konzerte in der Regel ausverkauft und finden meist in den größten Arenen statt. Und auch auf der Suche nach dem vierten Akkord, wie die zwei Briten ihr jüngstes Werk humorvoll betitelten, weil ihnen schon seit Jahrzehnten das Verharren bei drei Akkorden fälschlicherweise unterstellt wird, werden ihnen ohne jeden Zweifel wieder alle Fans folgen. Auf dem Album, das wie aus einem Guss und alles andere als veteranenhaft oder gar altbacken klingt, haben sie ihn übrigens –natürlich – längst gefunden. Den vierten Akkord. Ob es auf ewig so weitergeht? Parfitt zuckt mit den Achseln, “was sonst?” Wie erleichternd.